Logbuch/Törnbericht
Zehn Tage Sardinien & Korsika mit dem Katamaran
Eine Nacht in der Kapsel, ein Magen, der streikt, Austern in Bonifacio und ein Wassermacher, der nicht will: unser Herbsttörn durch die Strasse von Bonifacio war alles, nur nicht langweilig.
Die Kreideklippen von Bonifacio im Abendlicht, das Highlight auf der korsischen Seite.
Revier
Nordost-Sardinien & Südkorsika
Wann
24. September bis 3. Oktober 2026
Schiff
Segelkatamaran ab Olbia
Route
Golfo Aranci · Bonifacio · Tavolara
Tag 1 · Zürich Flughafen
Start in der Kapsel
Wieder einmal etwas Neues entdecken: Das gilt bei uns nicht nur für die Reviere. Unser Flug nach Olbia ging um 6.20 Uhr ab Zürich, und so früh fährt aus der Ostschweiz kein gescheiter Zug. Also: Capsule Hotel direkt im Terminal gebucht. Gepäck am Vorabend aufgegeben, gemütlich gegessen, und dann ab in die Koje, die diesmal eine Kapsel war.
Übernachten im Terminal und am Morgen der Sonnenaufgang über den Wolken.
«Mol luege, wie sich das do schlofe loht.»
Adi, kurz vor dem Einschlafen in der Kapsel
Tag 2 · Porto Rotondo
Rosé statt Regenjacke
Um 7.50 Uhr gelandet, mit dem Taxi weiter ins Hotel San Marco in Porto Rotondo, und schon stand die erste wichtige Entscheidung an: Wo gibt es den Mittagsapéro? Die gemütliche Bleibe war schnell gefunden. Nach etwas Rosé wurde dann am Pool entspannt, so wie es sich für den Anfang einer Segelreise gehört.
Erster Apéro in Porto Rotondo und die Marina, in der unser Katamaran wartete.
Tag 3 · Golfo Aranci
Montezumas Rache
Ehrlich muss ein Logbuch sein: Die Spaghetti Vongole am Freitagabend haben sich in der Nacht gerächt. Bis 13 Uhr durfte ich im Hotelzimmer bleiben, dann ging es trotzdem aufs Boot. Check-in erledigt, um 16.45 Uhr ausgelaufen und in einer wunderschönen Bucht im Golfo Aranci vor Anker gegangen.
Mein Abendessen: eine Banane. Kein Rum, keine Zigarre. So etwas von trostlos, aber der Sonnenuntergang hat einiges wettgemacht.
Erste Nacht vor Anker im Golfo Aranci.
Tag 4 · Porto Puddu
Schön faul unter Genua
Der Magen hat sich erholt. Das leichte Ziehen schiebe ich auf den fehlenden Negroni vom Vorabend. Zuerst ein Stück unter Motor, dann nur noch schön faul unter Genua nach Porto Puddu an die Boje. Unterwegs gab es einen gemütlichen Apéro an Deck, und ich habe mich schon auf den Negroni mit Zigarre am Abend gefreut.
Apéro unter Genua: So darf ein Segeltag aussehen.
Tag 5 & 6 · Bonifacio
Rüber nach Korsika
Dann der grosse Schlag: die Überfahrt von Sardinien nach Korsika. Mit schönem Wind und rund 6 Knoten Fahrt ging es durch die Strasse von Bonifacio, bis wir im Hafen des französischen Festungsstädtchens festmachten. Bonifacio thront auf weissen Kalkklippen hoch über dem Meer, ein Anblick, den man vom Wasser aus nie vergisst. Am Abend gab es noch zwei, drei gute Drinks.
Der Hafen von Bonifacio, gut geschützt im Fjord unter der Altstadt.
Die zweite Nacht in Bonifacio: Die Crew ging gestaffelt in die Koje, der Skipper natürlich wieder bei den Letzten. Am Morgen noch schnell zum Fischladen: wunderbarer Fisch und Austern fürs Abendessen. Ich habe mich gefreut wie ein Kind.
Einkauf im Fischladen und ein letzter Blick auf die Festung.
Tag 6 · Liscia
Wind, Welle und ein streikender Wassermacher
Gegen Mittag ausgelaufen, ein schöner Südost blies durch die Strasse von Bonifacio: ein richtiger Genuss-Segeltag. Später wurde das Meer ruppiger, und wir konnten eine lange Strecke mit unserem Katamaran segeln, zurück an die sardische Küste nach Liscia.
Dann der Schreck: Der Wassermacher wollte nicht mehr. Ein Anruf beim Vercharterer, den Druck angepasst, und schon lief die Entsalzungsanlage wieder. Gut so, denn auf diesem Katamaran werden auch die elektrischen Toiletten mit Süsswasser gespült.
Skipper-Tipp: Lass dir bei der Übernahme eines Charterboots den Wassermacher zeigen: Startablauf, Druckeinstellung und wo der Filter sitzt. Fünf Minuten Einweisung sparen dir unterwegs viel Nerven.
Zum Anlegertrunk gab es die Austern aus Bonifacio, am Abend den frischen Fisch von der Plancha, dazu ein Safranrisotto und einen guten Rotwein.
Austern zum Anlegertrunk, Fisch von der Plancha zum Znacht.
Tag 7 · San Teodoro
Kuchen aus der Bordküche
Was für eine Abendstimmung vor San Teodoro! Während der Fahrt haben Cugi und Moni einen feinen Zwetschgenkuchen gebacken, auf einem segelnden Katamaran, wohlgemerkt. Am Abend gab es Rigatoni aus der Skipper-Küche.
Zwetschgenkuchen unter Segeln und Abendlicht vor San Teodoro.
Tag 8 · Tavolara
Unter dem Felsen von Tavolara
Ein wunderschöner Tag: Unter Maschine gegen den Wind nach Porto Ottiolu, dort Wasser und Diesel gebunkert (bei stolzem Dieselpreis) und im Restaurant lokales Essen und Wein genossen. Um 15 Uhr wieder losgesegelt, mit achterlichem Wind zum neuen Ankerplatz unter dem Monte Tavolara.
Mit dem Beiboot ging es zum Restaurant am Strand: guter Wein, feines Essen. Und weil wir Deutsche an Bord hatten, wurde der Abend zum Fussballabend, bei Zigarre, Rum und Gin Tonic.
Die Isola Tavolara, einfach ein schönes Plätzchen.
Tag 9 & 10 · Portisco
Ein letzter Sprung ins Wasser
Vor dem Einlaufen in den Heimathafen gab es noch einen letzten Badehalt vor Portisco. Dann hiess es Leinen fest, Boot zurückgeben, und am 3. Oktober ging es zurück in die Schweiz. Mit vollen Speicherkarten, gut gebräunt und schon mit Ideen für den nächsten Törn.
Die Route
Etappe für Etappe
- Olbia: Bootsübernahme in der Marina
- Golfo Aranci: erste Nacht vor Anker
- Porto Puddu: an der Boje, gemütlich unter Genua
- Bonifacio (Korsika): Überfahrt mit rund 6 Knoten, zwei Nächte im Hafen
- Liscia: langer Schlag zurück nach Sardinien
- San Teodoro: Ankerbucht mit Abendstimmung
- Porto Ottiolu: Wasser und Diesel bunkern
- Isola Tavolara: Ankern unter dem Monte Tavolara
- Portisco: letzter Badehalt, zurück nach Olbia
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