Logbuch/Törnbericht

Törnbericht 2. August 2026 · 5 Min. Lesezeit

Zwei Wochen Schärengarten: Felsanker, Hecht und lange Abende

Mit der Ciao Ciao zwei Wochen durch die Stockholmer Schären: eine Festungsinsel, ein Dorffest auf Ingmarsö, Übernachten am Fels mit Heckanker, ein 69-cm-Hecht aus dem Dingi und ein Bordhund, der jede Etappe mitgemacht hat.

S

Severin Hummer

Skipper · aus dem Bordbuch

Blick über den Bug der Ciao Ciao zwischen die Schären

Kurs durch die Schären: Fels, Föhren und spiegelglattes Wasser.

Revier

Stockholmer Schären, Schweden

Wann

18. bis 31. Juli 2026

Schiff

Segelyacht Ciao Ciao

Route

Stockholm · Siaröfortet · Blidö · Ingmarsö · Sandhamn · Gällnö · Stockholm

Tag 1 · Stockholm und Siaröfortet

Übergabe im Stadthafen, Kurs Festungsinsel

Moni und Adi haben die Ciao Ciao in vier Wochen von Göteborg quer durchs Landesinnere nach Stockholm gebracht. Für uns heisst das: einsteigen, Proviant bunkern, bis die Schapps platzen, und los. Mit an Bord sind Laura, Ilona, Yanik und Eira, die Hündin, die für diese Reise zum ersten Mal geflogen ist.

Nach rund drei Stunden machen wir bei Siaröfortet fest. Die ganze Insel ist eine alte Festung, Anfang des 20. Jahrhunderts in den Fels gehauen. Oben stehen ausgediente Kanonen, unten führen kalte, feuchte Gänge durch den Granit. Eindrücklich, aber tauschen möchte mit den Soldaten von damals niemand.

Festungsinsel Siaröfortet vom Wasser aus

Siaröfortet: eine ganze Insel als Festung.

Tag 2 · Blidö

Regenzeug an, Wind um die Ohren

Der zweite Tag zeigt die Schären von der rauen Seite: Regen und kräftiger Wind, an einsamen Inselchen und grösseren Anwesen vorbei bis zum Hafen von Blidö. Im Hafenführer an Bord steht eine handgeschriebene Notiz: «schönes Restaurant, gute Gelati». Für Gelati ist es zu kalt, das Restaurant hält aber, was die Notiz verspricht.

Schweizer Flagge am Heck bei Regen Crew in Ölzeug im Cockpit

Schweizerkreuz am Heck, Ölzeug im Cockpit.

Tag 3 · Ingmarsö

Südwind und ein Dorffest

Mit schönem Südwind segeln wir zweieinhalb Stunden nach Ingmarsö, einer kleinen Insel mit rund 150 Einwohnern und ein paar stillen Seen. Statt Elch gibt es Reh und Rehbock. Am Abend landen wir mitten in einem Dorffest: feines Essen, eine Bluegrass-Band, und alle singen mit.

Rotes Holzhaus auf Ingmarsö

Rote Holzhäuser, wie man sie sich in Schweden vorstellt.

Tag 4 · Bokö-Storö

Heckanker raus, Bug an den Fels

Ein Segeltag mit schöner Krängung und anderen Yachten in Sichtweite, fast ein bisschen Regattagefühl. Unser Übernachtungsplatz liegt im Naturschutzgebiet: Heckanker ausbringen, Felsnägel in die Ritzen schlagen, Leinen an Land. Am Abend wird direkt auf dem Fels vor dem Schiff grilliert.

Ciao Ciao unter Segeln Segelyacht am Fels festgemacht bei Bokö-Storö

Unter Segeln Richtung Naturschutzgebiet, danach festgemacht am Granit.

Skipper-Tipp: Zum Festmachen am Fels langsam auf die Felskante zuhalten und den Heckanker rechtzeitig fallen lassen. Vorne mit Felsnägeln oder um einen Baum belegen. Vorher mit dem Lot prüfen, ob unter Wasser Absätze lauern, und im Hafenführer nachschauen: Viele geeignete Buchten sind dort beschrieben.

Tag 5 · Sandhamn

Motorfahrt und ein Abend im Städtchen

Regen am Morgen und kein Wind: Wir lassen uns Zeit und motoren am Nachmittag ruhig an Seevögeln und Inselchen vorbei. Wir legen auf der ruhigeren Nachbarinsel Lökholmen an und nehmen die kleine Fähre hinüber nach Sandhamn: verwinkelte Gassen, rote Holzhäuser und in jedem Garten ein Fahnenmast mit Schwedenflagge.

Gasse in Sandhamn Holzhaus mit Schwedenflagge in Sandhamn

Sandhamn: Gassen, Gärten und überall die Flagge.

Tag 6 und 7 · Fjärdlång und Storön

Bucht voller Leben, Wellen vor der Insel

In der Bucht von Fjärdlång liegen Segelboote in jeder Ecke: Die einen trinken etwas zusammen, die anderen springen johlend ins Wasser. Am nächsten Tag kreuzen wir windbedingt wieder nach Norden. Die Welle vor Storön fordert ein paar Mägen, das Plätzchen dahinter ist dafür umso ruhiger. Gebadet wird trotzdem, auch wenn das Wasser frisch ist.

Tag 8 und 9 · Lökaholmarna

Ein Hecht von 69 Zentimetern

Einen guten Platz zu finden, ist heute nicht einfach: zu viele Boote am ersten Ort, zu viel Wind am zweiten. Am dritten passt alles. Der Bug schmiegt sich an eine Felswand, und vorne kann die ganze Crew aussteigen, auch Eira. Es gefällt uns so gut, dass wir einen Tag länger bleiben.

Den Tag nutzen Yanik und ich für eine Mission: Dingi aufblasen, hinüber in die Nachbarbucht und angeln. Nach anderthalb Stunden kommen wir mit einem 69-cm-Hecht zurück, dem ersten Fang an Bord der Ciao Ciao. Filetiert wird nach Video-Anleitung, am Abend gibt es Fisch vom Grill. Und weil es so gut lief, kommt am Nachmittag noch ein Egli dazu.

Liegeplatz in der Bucht Lökaholmarna Gefangener Hecht

Liegeplatz in der Bucht und der Fang des Tages.

Tag 10 und 11 · Finnhamn und Storskäret

Landstrom, Dusche und dann der beste Segeltag

Nach vielen Nächten in Buchten braucht die Batterie Landstrom und die Crew eine Dusche. Im kleinen Gästehafen von Finnhamn liegen wir eng wie Sardinen. Am nächsten Morgen ein Spaziergang über die grüne Insel, dann der vielleicht schönste Segeltag: mit Sonne und gutem Wind ein rechtes Stück hinaus, vorbei an kleinen Inseln. Es fühlt sich fast an wie im Mittelmeer.

Gästehafen Finnhamn Unter Segeln Richtung Storskäret

Gästehafen Finnhamn und raumschots Richtung Storskäret.

Tag 12 · Stora Kunnören

Krängung bis in die Pfanne

Langsam heisst es Kurs zurück Richtung Stockholm. Der Wind meint es gut, manchmal fast zu gut: Mit ungemütlich viel Lage wird auch das Mittagessen zur Übung, man sieht es am Herd. Der Platz am Abend ist dafür einer der gemütlichsten der ganzen Reise.

Steuern mit Lage Gischt an der Bordwand bei Krängung

Lage schieben: am Steuer und an der Bordwand.

Tag 13 · Gällnö

Früh los für den besten Platz

Gällnö ist beliebt, also gibt es eine Stunde früher Frühstück. Vor Mittag liegen wir am Fels, mit Heckanker und Leinen an Land. Ins Dörfchen geht es mit dem Dingi, am Abend alle zusammen ins Restaurant. Zurück an Bord merken wir: Ein Motorboot hat beim Ankern unseren Heckanker gelöst. Also nochmals neu festmachen, passiert ist zum Glück nichts.

Bootshaus auf Gällnö Rote Häuser am Wasser auf Gällnö

Gällnö: Bootshäuser und rote Häuser am Wasser.

«Am liebsten würden wir alle noch eine Woche anhängen.»

Ilona, kurz vor der Rückkehr nach Stockholm

Abendsonne über Gällnö

Abendsonne über Gällnö.

Tag 14 · Stockholm

Zurück in die Stadt

Am letzten Tag motoren wir zurück, tanken kurz vor dem Ziel Diesel und träumen unterwegs vom einen oder anderen Häuschen am Ufer. Am nächsten Morgen wird das Schiff geputzt, und zum Frühstück gehen wir in dieselbe Bäckerei wie am ersten Tag. Danach übergeben wir die Ciao Ciao wieder an Adi.

Zwei Wochen Schären, ein Hund an Bord und kaum eine Nacht im Hafen: So unkompliziert und vielfältig kann Segeln im Norden sein. Merci an die ganze Crew, es war super schön.

Die Route

Etappe für Etappe

  1. Stockholm: Übernahme und Proviant
  2. Siaröfortet: Festungsinsel
  3. Blidö: Regen, Wind und ein gutes Restaurant
  4. Ingmarsö: Dorffest mit Bluegrass
  5. Bokö-Storö: am Fels im Naturschutzgebiet
  6. Lökholmen und Sandhamn: mit der Fähre ins Städtchen
  7. Fjärdlång und Storön: Buchten und Welle
  8. Lökaholmarna: zwei Nächte, Hecht und Egli
  9. Finnhamn: Gästehafen mit Landstrom
  10. Storskäret und Stora Kunnören: am Fels
  11. Gällnö: mit dem Dingi ins Dorf
  12. Stockholm: Übergabe der Ciao Ciao

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