Logbuch/Segeltipps

Segeltipps 7. November 2026 · 9 Min. Lesezeit

Zwei Wochen Grenadinen: unser kleiner Segelführer

Adi ist gerade zwei Wochen mit einer Crew in den Grenadinen unterwegs. Wir stellen dir das Revier kurz vor: die schönsten Ankerbuchten, Must-sees und ein Törnplan für 14 Tage ab Grenada, mit Karte und Standorten zum Herumstöbern.

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Severin Hummer

Logbuch · Revierführer

Die Tobago Cays von oben

Die Tobago Cays von oben: das Herzstück der Grenadinen. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Revier

Grenadinen, Karibik

Beste Zeit

Dezember bis Mai

Dauer

14 Tage, ca. 170 sm

Route

Grenada · Carriacou · Union · Tobago Cays · Canouan · Mustique · Bequia · Mayreau · Petit St. Vincent · Carriacou · Grenada

Das Revier

Kurze Schläge, türkises Wasser

Adi «the Lobster» ist gerade mit einer Crew zwei Wochen in den Grenadinen unterwegs. Während er Anker wirft und Schildkröten zählt, stellen wir dir das Revier kurz vor: die schönsten Ankerbuchten, was man gesehen haben muss und einen Törnplan für 14 Tage ab Grenada.

Die Grenadinen sind eine Kette von gut 30 Inseln zwischen Grenada und St. Vincent. Die Schläge sind kurz, das Wasser hat Farben, die es am Bodensee schlicht nicht gibt, und abends liegt man in einer Bucht, in der die Schildkröte neben dem Dingi auftaucht. Der Passat bläst zuverlässig, manchmal auch etwas zu zuverlässig.

Wer bei uns den Hochseeschein gemacht hat, fühlt sich hier schnell zu Hause: Sicht-Navigation zwischen Riffen, Ankern auf Sand, Bojen fassen, Dingi fahren. Nur der Säntis fehlt.

Karte der Grenadinen von Grenada bis Bequia mit unserer Route und den Ankerplätzen

Unsere Route: zuerst gegen den Passat nach Norden bis Bequia, dann mit dem Wind im Rücken zurück. Nicht zur Navigation. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende

Bevor die Leinen los sind

Das Revier in fünf Minuten

Wind und Welle: Passat aus Ost bis Nordost, meist 15 bis 25 Knoten, im Dezember und Januar als «Christmas Winds» oft kräftiger. Zwischen den Inseln beschleunigt der Wind und der Atlantikschwell läuft ungebremst durch, vor allem zwischen Grenada und Carriacou und zwischen Canouan, Mustique und Bequia. Früh reffen. Nach Norden geht es hoch am Wind, nach Süden raumschots.

Navigation: Zwischen den Riffen navigiert man auf Sicht, mit der Sonne im Rücken, also etwa zwischen 10 und 15 Uhr. Türkis heisst Sand, braun heisst Koralle. Um 18 Uhr ist es dunkel, und zwar fast schlagartig: spätestens um 16 Uhr vor Anker sein.

Zwei Länder, zweimal klarieren: Grenada mit Carriacou ist ein Land, St. Vincent und die Grenadinen ab Union Island ein anderes. Auf dem Hinweg klariert man in Tyrrel Bay (Carriacou) aus und in Clifton (Union Island) ein, zurück umgekehrt. In Carriacou geht das nur noch in Tyrrel Bay. Die Charterbasis hilft mit den Formularen.

Geld und Gebühren: Bezahlt wird mit dem East Caribbean Dollar (EC$), US-Dollar gehen fast überall. Im Tobago Cays Marine Park kosten Boje oder Ankerplatz rund EC$ 60 pro Nacht, dazu kommt eine Gebühr pro Person. Nur einem uniformierten Ranger bezahlen und Quittung verlangen.

Boat Boys: In vielen Buchten kommen Einheimische im Boot entgegen und bieten Boje, Brot, Fisch oder Eis an. Das ist oft praktisch und gehört dazu. Freundlich bleiben, Preis vorher abmachen, erst nach getaner Arbeit bezahlen.

Skipper-Tipp: Zwischen Grenada und Carriacou liegt der Unterwasservulkan Kick 'em Jenny. Die Sperrzone beträgt 1,5 km, bei erhöhter Warnstufe 5 km. Vor dem Schlag die aktuelle Warnstufe beim Seismic Research Centre (UWI) prüfen und den Vulkan im Westen passieren.

Gut zu wissen: Hurrikan Beryl hat im Juli 2024 vor allem Carriacou, Union Island, Mayreau und Canouan schwer getroffen. Vieles ist wieder aufgebaut, manches noch nicht. Beach-Bars und Bojenfelder deshalb vor Ort nachfragen.

Tag 1 · St. George's, Grenada

Übernahme auf der Gewürzinsel

Boot übernehmen, Sicherheitseinweisung, Proviant bunkern, bis die Schapps platzen. Wer Zeit hat, schlendert um die Carenage, den alten Hafen mit den bunten Häusern am Hang. Erster Anlegertrunk an Bord, früh ins Bett: Morgen wird es lang.

Carenage, St. George's, Grenada

Die Carenage in St. George's. Foto: David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Port Louis Marina · Carenage

Tag 2 · Carriacou

Der härteste Schlag gleich zu Beginn

Rund 33 Seemeilen: zuerst gemütlich unter Land der Westküste von Grenada entlang, dann ab der Nordspitze in die offene Welle, hoch am Wind. Früh los, Sandwiches vorbereiten und Kick 'em Jenny im Westen lassen. Am Abend wartet das ruhige Tyrrel Bay.

Strand von Hillsborough, Carriacou

Carriacou: ruhiger als Grenada, Strand gleich vor dem Dorf. Foto: FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Tyrrel Bay

Tag 3 · Union Island

Klarieren und Rumpunsch im Riff

Morgens in Tyrrel Bay aus Grenada ausklarieren, dann zehn Seemeilen hinüber nach Clifton und in St. Vincent und den Grenadinen einklarieren. Clifton ist der Marktplatz der Grenadinen: Gemüse, Früchte, Diesel, Wasser. Der Anlegertrunk gehört auf Happy Island, eine Bar auf einer selbst gebauten Insel aus Muschelschalen mitten im Riff.

Happy Island vor Clifton

Happy Island vor Clifton. Foto: Iain Grant, CC BY 2.5, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Clifton · Happy Island

Tag 4 und 5 · Tobago Cays

Schildkröten unter dem Kiel

Das Herzstück der Reise. Fünf unbewohnte Inselchen hinter dem Horseshoe Reef, davor nur noch Atlantik bis Afrika. Einfahrt bei guter Sonne und mit Ausguck auf dem Vorschiff, dann an die Boje oder auf Sand ankern. Bei Baradal grasen die Schildkröten direkt unter dem Boot.

Am Ruhetag: Schnorcheln am Riff, mit dem Dingi nach Petit Tabac (ja, genau die Insel aus «Fluch der Karibik») und Sonnenuntergang auf dem Hügel von Jamesby. Abends Lobster-BBQ am Strand von Petit Bateau. Ein Lobster, der Lobster isst? In der Saison machen wir eine Ausnahme.

Blick über die Tobago Cays Sonnenuntergang in den Tobago Cays

Tobago Cays bei Tag und am Abend. Fotos: David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons / FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Tobago Cays · Baradal · Petit Tabac · Petit Bateau

Tag 6 · Canouan

Kurzer Schlag, langer Nachmittag

Nur sechs Seemeilen bis Charlestown Bay. Landgang, Vorräte auffüllen und Kraft tanken für die Etappen nach Norden.

📍 Auf Google Maps: Charlestown Bay

Tag 7 · Mustique

Die Insel der Prominenten

Hoch am Wind nach Mustique. An die Boje in Britannia Bay, an Land Basil's Bar auf Stelzen über dem Wasser, dann Macaroni Beach auf der Ostseite. Gut möglich, dass am Nebentisch jemand sitzt, den man aus der Zeitung kennt. Wir erzählen nichts weiter.

Britannia Bay, Mustique Basil's Bar auf Mustique

Britannia Bay und Basil's Bar. Fotos: qwesy qwesy, CC BY 3.0, Wikimedia Commons / Kevin Stroup, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Britannia Bay · Basil's Bar · Macaroni Beach

Tag 8 und 9 · Bequia

Der nördlichste Punkt der Reise

Admiralty Bay mit Port Elizabeth: bunte Häuser, Bojen, Boote aus aller Welt. Abends über den Belmont Walkway zum Essen, direkt am Wasser. Am Ruhetag baden an der Princess Margaret Beach, mit dem Taxi zum Old Hegg Turtle Sanctuary, wo junge Karettschildkröten aufgezogen werden, und weiter nach Moonhole, den Häusern im Fels.

Admiralty Bay auf Bequia Princess Margaret Beach, Bequia

Admiralty Bay und Princess Margaret Beach. Fotos: David Broad, CC BY 3.0, Wikimedia Commons / David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Admiralty Bay · Princess Margaret Beach · Turtle Sanctuary · Moonhole

Tag 10 · Mayreau

Raumschots in die Bilderbuchbucht

Jetzt zahlt sich die Arbeit aus: 28 Seemeilen raumschots nach Süden, das ist Segeln, wie es im Prospekt steht. In der Salt Whistle Bay wartet ein Halbmond aus weissem Sand, Palmen bis ans Wasser. Zu Fuss hinauf zur kleinen Steinkirche, mit Blick über die Tobago Cays.

Salt Whistle Bay auf Mayreau

Salt Whistle Bay auf Mayreau. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Salt Whistle Bay · Kirche Mayreau

Tag 11 · Petit St. Vincent

Sand, ein Schirm, sonst nichts

Petit St. Vincent ist eine private Resort-Insel, Segler sind an der Beach-Bar willkommen. Mit dem Dingi hinüber nach Mopion: eine Sandbank, ein Sonnenschirm aus Palmblättern, sonst nichts. Das Postkartenmotiv der Reise.

Mopion, die Sandinsel

Mopion von oben. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Petit St. Vincent · Mopion

Tag 12 · Carriacou

Letzter Schnorchelgang

Kurz nach Clifton und ausklarieren, dann nach Tyrrel Bay und wieder in Grenada einklarieren. Am Nachmittag hinüber nach Sandy Island: eine Sandinsel mit Riff, ideal für den letzten Schnorchelgang.

Sandy Island bei Carriacou

Sandy Island vor Carriacou. Foto: FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Sandy Island · Tyrrel Bay

Tag 13 und 14 · Grenada

Mit dem Wind zurück

Der lange Schlag zurück, diesmal mit dem Wind. Unterwegs lohnt sich ein Schnorchelstopp beim Unterwasser-Skulpturenpark in der Molinere Bay, danach ein letztes Bad an der Grand Anse Beach. Am letzten Tag tanken und Boot abgeben. Wer noch Zeit hat: Grenada heisst nicht umsonst «Spice Island». Muskat, Zimt und Kakao gibt es auf dem Markt von St. George's, Regenwald und Wasserfälle im Grand Etang.

Grand Anse Beach, Grenada

Grand Anse Beach, Grenada. Foto: Varun Kapoor, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Skulpturenpark · Grand Anse · Grand Etang

Mehr Zeit?

Varianten

Bis St. Vincent: Mit drei, vier Tagen mehr geht es an die Westküste von St. Vincent, nach Wallilabou, die Filmkulisse von «Fluch der Karibik», oder ins ruhigere Cumberland Bay, mit Heckleine an einer Palme.

Ruhe statt Resort: Statt Petit St. Vincent geht auch Chatham Bay auf der wilden Westseite von Union: grosse, ruhige Bucht, Strandbars mit Fisch vom Grill und Pelikane, die vom Himmel ins Wasser fallen.

Wallilabou Bay, St. Vincent

Wallilabou Bay auf St. Vincent. Foto: Waielbi, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

📍 Auf Google Maps: Wallilabou · Cumberland Bay · Chatham Bay

Spielregeln und Genuss

Gut zu wissen an Bord

Marine Park: Speerfischen ist verboten, ebenso Abwasser und Bilgenwasser ablassen. Nur auf Sand ankern oder an die Parkbojen, nie auf Korallen. Schildkröten nicht anfassen und nicht verfolgen, sie kommen von selbst. Fisch kauft man beim Boat Boy.

Auf dem Teller: Languste vom Grill (Saison September bis April), Roti mit Curry, Mahi-Mahi vom Boat Boy, frisches Bananenbrot am Morgen, Muskat-Glace in Grenada und Rum Punch zum Sonnenuntergang.

In den Seesack: Polarisationsbrille, Hut, riffverträgliche Sonnencreme, eigene Maske, Badeschuhe, leichtes Ölzeug für die Squalls, Bargeld in kleinen Noten und ein Mittel gegen Seekrankheit für den ersten Schlag nach Carriacou.

Die Highlights

Unsere Top 10

Clifton auf Union Island von oben

Clifton auf Union Island von oben. Foto: Iain Grant, CC BY 2.5, Wikimedia Commons

  1. Tobago Cays: Schnorcheln mit Schildkröten, mindestens zwei Nächte
  2. Mopion: Sand und ein Schirm
  3. Salt Whistle Bay: die Bilderbuchbucht von Mayreau
  4. Happy Island: Rumpunsch auf der Muschelinsel
  5. Admiralty Bay: Bequia, das gemütlichste Hafenstädtchen
  6. Sandy Island: Sandinsel mit Riff vor Carriacou
  7. Basil's Bar: Sundowner auf Stelzen, Mustique
  8. Petit Tabac: wo Jack Sparrow gestrandet ist
  9. Old Hegg Turtle Sanctuary: Schildkröten-Aufzucht auf Bequia
  10. Lobster-BBQ am Strand: Tobago Cays, in der Saison

Zum Mitnehmen: Den ganzen Segelführer mit Karte, Törnplan und allen Kartenlinks gibt es auch als PDF. Segelführer Grenadinen herunterladen (PDF, 11 Seiten, 1,4 MB)

Wenn Adi zurück ist, erzählt er gern, wie es wirklich war. Den Törnbericht gibt es dann hier im Logbuch. 🦞

Bildnachweis: Alle Fotos von Wikimedia Commons, zugeschnitten. Die Tobago Cays von oben: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Carenage, St. George's, Grenada: David Stanley, CC BY 2.0 · Strand von Hillsborough, Carriacou: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Happy Island vor Clifton: Iain Grant, CC BY 2.5 · Blick über die Tobago Cays: David Stanley, CC BY 2.0 · Sonnenuntergang in den Tobago Cays: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Britannia Bay, Mustique: qwesy qwesy, CC BY 3.0 · Basil's Bar auf Mustique: Kevin Stroup, CC BY 3.0 · Admiralty Bay auf Bequia: David Broad, CC BY 3.0 · Princess Margaret Beach, Bequia: David Stanley, CC BY 2.0 · Salt Whistle Bay auf Mayreau: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Mopion, die Sandinsel: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Sandy Island bei Carriacou: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Grand Anse Beach, Grenada: Varun Kapoor, CC BY 3.0 · Wallilabou Bay, St. Vincent: Waielbi, CC BY-SA 3.0 · Clifton auf Union Island von oben: Iain Grant, CC BY 2.5. Karte: Daten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL). Gebühren, Klarierungsstellen und Bars ändern sich, bitte vor Ort prüfen.

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