Logbuch/Segeltipps
Zwei Wochen Grenadinen: unser kleiner Segelführer
Adi ist gerade zwei Wochen mit einer Crew in den Grenadinen unterwegs. Wir stellen dir das Revier kurz vor: die schönsten Ankerbuchten, Must-sees und ein Törnplan für 14 Tage ab Grenada, mit Karte und Standorten zum Herumstöbern.
Die Tobago Cays von oben: das Herzstück der Grenadinen. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
Revier
Grenadinen, Karibik
Beste Zeit
Dezember bis Mai
Dauer
14 Tage, ca. 170 sm
Route
Grenada · Carriacou · Union · Tobago Cays · Canouan · Mustique · Bequia · Mayreau · Petit St. Vincent · Carriacou · Grenada
Das Revier
Kurze Schläge, türkises Wasser
Adi «the Lobster» ist gerade mit einer Crew zwei Wochen in den Grenadinen unterwegs. Während er Anker wirft und Schildkröten zählt, stellen wir dir das Revier kurz vor: die schönsten Ankerbuchten, was man gesehen haben muss und einen Törnplan für 14 Tage ab Grenada.
Die Grenadinen sind eine Kette von gut 30 Inseln zwischen Grenada und St. Vincent. Die Schläge sind kurz, das Wasser hat Farben, die es am Bodensee schlicht nicht gibt, und abends liegt man in einer Bucht, in der die Schildkröte neben dem Dingi auftaucht. Der Passat bläst zuverlässig, manchmal auch etwas zu zuverlässig.
Wer bei uns den Hochseeschein gemacht hat, fühlt sich hier schnell zu Hause: Sicht-Navigation zwischen Riffen, Ankern auf Sand, Bojen fassen, Dingi fahren. Nur der Säntis fehlt.
Unsere Route: zuerst gegen den Passat nach Norden bis Bequia, dann mit dem Wind im Rücken zurück. Nicht zur Navigation. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Bevor die Leinen los sind
Das Revier in fünf Minuten
Wind und Welle: Passat aus Ost bis Nordost, meist 15 bis 25 Knoten, im Dezember und Januar als «Christmas Winds» oft kräftiger. Zwischen den Inseln beschleunigt der Wind und der Atlantikschwell läuft ungebremst durch, vor allem zwischen Grenada und Carriacou und zwischen Canouan, Mustique und Bequia. Früh reffen. Nach Norden geht es hoch am Wind, nach Süden raumschots.
Navigation: Zwischen den Riffen navigiert man auf Sicht, mit der Sonne im Rücken, also etwa zwischen 10 und 15 Uhr. Türkis heisst Sand, braun heisst Koralle. Um 18 Uhr ist es dunkel, und zwar fast schlagartig: spätestens um 16 Uhr vor Anker sein.
Zwei Länder, zweimal klarieren: Grenada mit Carriacou ist ein Land, St. Vincent und die Grenadinen ab Union Island ein anderes. Auf dem Hinweg klariert man in Tyrrel Bay (Carriacou) aus und in Clifton (Union Island) ein, zurück umgekehrt. In Carriacou geht das nur noch in Tyrrel Bay. Die Charterbasis hilft mit den Formularen.
Geld und Gebühren: Bezahlt wird mit dem East Caribbean Dollar (EC$), US-Dollar gehen fast überall. Im Tobago Cays Marine Park kosten Boje oder Ankerplatz rund EC$ 60 pro Nacht, dazu kommt eine Gebühr pro Person. Nur einem uniformierten Ranger bezahlen und Quittung verlangen.
Boat Boys: In vielen Buchten kommen Einheimische im Boot entgegen und bieten Boje, Brot, Fisch oder Eis an. Das ist oft praktisch und gehört dazu. Freundlich bleiben, Preis vorher abmachen, erst nach getaner Arbeit bezahlen.
Skipper-Tipp: Zwischen Grenada und Carriacou liegt der Unterwasservulkan Kick 'em Jenny. Die Sperrzone beträgt 1,5 km, bei erhöhter Warnstufe 5 km. Vor dem Schlag die aktuelle Warnstufe beim Seismic Research Centre (UWI) prüfen und den Vulkan im Westen passieren.
Gut zu wissen: Hurrikan Beryl hat im Juli 2024 vor allem Carriacou, Union Island, Mayreau und Canouan schwer getroffen. Vieles ist wieder aufgebaut, manches noch nicht. Beach-Bars und Bojenfelder deshalb vor Ort nachfragen.
Tag 1 · St. George's, Grenada
Übernahme auf der Gewürzinsel
Boot übernehmen, Sicherheitseinweisung, Proviant bunkern, bis die Schapps platzen. Wer Zeit hat, schlendert um die Carenage, den alten Hafen mit den bunten Häusern am Hang. Erster Anlegertrunk an Bord, früh ins Bett: Morgen wird es lang.
Die Carenage in St. George's. Foto: David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Port Louis Marina · Carenage
Tag 2 · Carriacou
Der härteste Schlag gleich zu Beginn
Rund 33 Seemeilen: zuerst gemütlich unter Land der Westküste von Grenada entlang, dann ab der Nordspitze in die offene Welle, hoch am Wind. Früh los, Sandwiches vorbereiten und Kick 'em Jenny im Westen lassen. Am Abend wartet das ruhige Tyrrel Bay.
Carriacou: ruhiger als Grenada, Strand gleich vor dem Dorf. Foto: FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Tyrrel Bay
Tag 3 · Union Island
Klarieren und Rumpunsch im Riff
Morgens in Tyrrel Bay aus Grenada ausklarieren, dann zehn Seemeilen hinüber nach Clifton und in St. Vincent und den Grenadinen einklarieren. Clifton ist der Marktplatz der Grenadinen: Gemüse, Früchte, Diesel, Wasser. Der Anlegertrunk gehört auf Happy Island, eine Bar auf einer selbst gebauten Insel aus Muschelschalen mitten im Riff.
Happy Island vor Clifton. Foto: Iain Grant, CC BY 2.5, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Clifton · Happy Island
Tag 4 und 5 · Tobago Cays
Schildkröten unter dem Kiel
Das Herzstück der Reise. Fünf unbewohnte Inselchen hinter dem Horseshoe Reef, davor nur noch Atlantik bis Afrika. Einfahrt bei guter Sonne und mit Ausguck auf dem Vorschiff, dann an die Boje oder auf Sand ankern. Bei Baradal grasen die Schildkröten direkt unter dem Boot.
Am Ruhetag: Schnorcheln am Riff, mit dem Dingi nach Petit Tabac (ja, genau die Insel aus «Fluch der Karibik») und Sonnenuntergang auf dem Hügel von Jamesby. Abends Lobster-BBQ am Strand von Petit Bateau. Ein Lobster, der Lobster isst? In der Saison machen wir eine Ausnahme.
Tobago Cays bei Tag und am Abend. Fotos: David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons / FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Tobago Cays · Baradal · Petit Tabac · Petit Bateau
Tag 6 · Canouan
Kurzer Schlag, langer Nachmittag
Nur sechs Seemeilen bis Charlestown Bay. Landgang, Vorräte auffüllen und Kraft tanken für die Etappen nach Norden.
📍 Auf Google Maps: Charlestown Bay
Tag 7 · Mustique
Die Insel der Prominenten
Hoch am Wind nach Mustique. An die Boje in Britannia Bay, an Land Basil's Bar auf Stelzen über dem Wasser, dann Macaroni Beach auf der Ostseite. Gut möglich, dass am Nebentisch jemand sitzt, den man aus der Zeitung kennt. Wir erzählen nichts weiter.
Britannia Bay und Basil's Bar. Fotos: qwesy qwesy, CC BY 3.0, Wikimedia Commons / Kevin Stroup, CC BY 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Britannia Bay · Basil's Bar · Macaroni Beach
Tag 8 und 9 · Bequia
Der nördlichste Punkt der Reise
Admiralty Bay mit Port Elizabeth: bunte Häuser, Bojen, Boote aus aller Welt. Abends über den Belmont Walkway zum Essen, direkt am Wasser. Am Ruhetag baden an der Princess Margaret Beach, mit dem Taxi zum Old Hegg Turtle Sanctuary, wo junge Karettschildkröten aufgezogen werden, und weiter nach Moonhole, den Häusern im Fels.
Admiralty Bay und Princess Margaret Beach. Fotos: David Broad, CC BY 3.0, Wikimedia Commons / David Stanley, CC BY 2.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Admiralty Bay · Princess Margaret Beach · Turtle Sanctuary · Moonhole
Tag 10 · Mayreau
Raumschots in die Bilderbuchbucht
Jetzt zahlt sich die Arbeit aus: 28 Seemeilen raumschots nach Süden, das ist Segeln, wie es im Prospekt steht. In der Salt Whistle Bay wartet ein Halbmond aus weissem Sand, Palmen bis ans Wasser. Zu Fuss hinauf zur kleinen Steinkirche, mit Blick über die Tobago Cays.
Salt Whistle Bay auf Mayreau. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Salt Whistle Bay · Kirche Mayreau
Tag 11 · Petit St. Vincent
Sand, ein Schirm, sonst nichts
Petit St. Vincent ist eine private Resort-Insel, Segler sind an der Beach-Bar willkommen. Mit dem Dingi hinüber nach Mopion: eine Sandbank, ein Sonnenschirm aus Palmblättern, sonst nichts. Das Postkartenmotiv der Reise.
Mopion von oben. Foto: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Petit St. Vincent · Mopion
Tag 12 · Carriacou
Letzter Schnorchelgang
Kurz nach Clifton und ausklarieren, dann nach Tyrrel Bay und wieder in Grenada einklarieren. Am Nachmittag hinüber nach Sandy Island: eine Sandinsel mit Riff, ideal für den letzten Schnorchelgang.
Sandy Island vor Carriacou. Foto: FishSpeaker, CC BY 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Sandy Island · Tyrrel Bay
Tag 13 und 14 · Grenada
Mit dem Wind zurück
Der lange Schlag zurück, diesmal mit dem Wind. Unterwegs lohnt sich ein Schnorchelstopp beim Unterwasser-Skulpturenpark in der Molinere Bay, danach ein letztes Bad an der Grand Anse Beach. Am letzten Tag tanken und Boot abgeben. Wer noch Zeit hat: Grenada heisst nicht umsonst «Spice Island». Muskat, Zimt und Kakao gibt es auf dem Markt von St. George's, Regenwald und Wasserfälle im Grand Etang.
Grand Anse Beach, Grenada. Foto: Varun Kapoor, CC BY 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Skulpturenpark · Grand Anse · Grand Etang
Mehr Zeit?
Varianten
Bis St. Vincent: Mit drei, vier Tagen mehr geht es an die Westküste von St. Vincent, nach Wallilabou, die Filmkulisse von «Fluch der Karibik», oder ins ruhigere Cumberland Bay, mit Heckleine an einer Palme.
Ruhe statt Resort: Statt Petit St. Vincent geht auch Chatham Bay auf der wilden Westseite von Union: grosse, ruhige Bucht, Strandbars mit Fisch vom Grill und Pelikane, die vom Himmel ins Wasser fallen.
Wallilabou Bay auf St. Vincent. Foto: Waielbi, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons
📍 Auf Google Maps: Wallilabou · Cumberland Bay · Chatham Bay
Spielregeln und Genuss
Gut zu wissen an Bord
Marine Park: Speerfischen ist verboten, ebenso Abwasser und Bilgenwasser ablassen. Nur auf Sand ankern oder an die Parkbojen, nie auf Korallen. Schildkröten nicht anfassen und nicht verfolgen, sie kommen von selbst. Fisch kauft man beim Boat Boy.
Auf dem Teller: Languste vom Grill (Saison September bis April), Roti mit Curry, Mahi-Mahi vom Boat Boy, frisches Bananenbrot am Morgen, Muskat-Glace in Grenada und Rum Punch zum Sonnenuntergang.
In den Seesack: Polarisationsbrille, Hut, riffverträgliche Sonnencreme, eigene Maske, Badeschuhe, leichtes Ölzeug für die Squalls, Bargeld in kleinen Noten und ein Mittel gegen Seekrankheit für den ersten Schlag nach Carriacou.
Die Highlights
Unsere Top 10
Clifton auf Union Island von oben. Foto: Iain Grant, CC BY 2.5, Wikimedia Commons
- Tobago Cays: Schnorcheln mit Schildkröten, mindestens zwei Nächte
- Mopion: Sand und ein Schirm
- Salt Whistle Bay: die Bilderbuchbucht von Mayreau
- Happy Island: Rumpunsch auf der Muschelinsel
- Admiralty Bay: Bequia, das gemütlichste Hafenstädtchen
- Sandy Island: Sandinsel mit Riff vor Carriacou
- Basil's Bar: Sundowner auf Stelzen, Mustique
- Petit Tabac: wo Jack Sparrow gestrandet ist
- Old Hegg Turtle Sanctuary: Schildkröten-Aufzucht auf Bequia
- Lobster-BBQ am Strand: Tobago Cays, in der Saison
Zum Mitnehmen: Den ganzen Segelführer mit Karte, Törnplan und allen Kartenlinks gibt es auch als PDF. Segelführer Grenadinen herunterladen (PDF, 11 Seiten, 1,4 MB)
Wenn Adi zurück ist, erzählt er gern, wie es wirklich war. Den Törnbericht gibt es dann hier im Logbuch. 🦞
Bildnachweis: Alle Fotos von Wikimedia Commons, zugeschnitten. Die Tobago Cays von oben: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Carenage, St. George's, Grenada: David Stanley, CC BY 2.0 · Strand von Hillsborough, Carriacou: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Happy Island vor Clifton: Iain Grant, CC BY 2.5 · Blick über die Tobago Cays: David Stanley, CC BY 2.0 · Sonnenuntergang in den Tobago Cays: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Britannia Bay, Mustique: qwesy qwesy, CC BY 3.0 · Basil's Bar auf Mustique: Kevin Stroup, CC BY 3.0 · Admiralty Bay auf Bequia: David Broad, CC BY 3.0 · Princess Margaret Beach, Bequia: David Stanley, CC BY 2.0 · Salt Whistle Bay auf Mayreau: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Mopion, die Sandinsel: Stefan Schäfer, Lich, CC BY-SA 4.0 · Sandy Island bei Carriacou: FishSpeaker, CC BY 3.0 · Grand Anse Beach, Grenada: Varun Kapoor, CC BY 3.0 · Wallilabou Bay, St. Vincent: Waielbi, CC BY-SA 3.0 · Clifton auf Union Island von oben: Iain Grant, CC BY 2.5. Karte: Daten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL). Gebühren, Klarierungsstellen und Bars ändern sich, bitte vor Ort prüfen.
Lust auf Karibik?
Den Hochseeschein machst du bei uns, vom ersten Knoten am Bodensee bis zum Skipper auf dem Meer. Gleiches Team, gleiche Boote, kein Neuanfang.