Logbuch/Törnbericht
Zwei Wochen Schärengarten: Felsanker, Hecht und lange Abende
Mit der Ciao Ciao zwei Wochen durch die Stockholmer Schären: eine Festungsinsel, ein Dorffest auf Ingmarsö, Übernachten am Fels mit Heckanker, ein 69-cm-Hecht aus dem Dingi und ein Bordhund, der jede Etappe mitgemacht hat.
Kurs durch die Schären: Fels, Föhren und spiegelglattes Wasser.
Revier
Stockholmer Schären, Schweden
Wann
18. bis 31. Juli 2026
Schiff
Segelyacht Ciao Ciao
Route
Stockholm · Siaröfortet · Blidö · Ingmarsö · Sandhamn · Gällnö · Stockholm
Tag 1 · Stockholm und Siaröfortet
Übergabe im Stadthafen, Kurs Festungsinsel
Moni und Adi haben die Ciao Ciao in vier Wochen von Göteborg quer durchs Landesinnere nach Stockholm gebracht. Für uns heisst das: einsteigen, Proviant bunkern, bis die Schapps platzen, und los. Mit an Bord sind Laura, Ilona, Yanik und Eira, die Hündin, die für diese Reise zum ersten Mal geflogen ist.
Nach rund drei Stunden machen wir bei Siaröfortet fest. Die ganze Insel ist eine alte Festung, Anfang des 20. Jahrhunderts in den Fels gehauen. Oben stehen ausgediente Kanonen, unten führen kalte, feuchte Gänge durch den Granit. Eindrücklich, aber tauschen möchte mit den Soldaten von damals niemand.
Siaröfortet: eine ganze Insel als Festung.
Tag 2 · Blidö
Regenzeug an, Wind um die Ohren
Der zweite Tag zeigt die Schären von der rauen Seite: Regen und kräftiger Wind, an einsamen Inselchen und grösseren Anwesen vorbei bis zum Hafen von Blidö. Im Hafenführer an Bord steht eine handgeschriebene Notiz: «schönes Restaurant, gute Gelati». Für Gelati ist es zu kalt, das Restaurant hält aber, was die Notiz verspricht.
Schweizerkreuz am Heck, Ölzeug im Cockpit.
Tag 3 · Ingmarsö
Südwind und ein Dorffest
Mit schönem Südwind segeln wir zweieinhalb Stunden nach Ingmarsö, einer kleinen Insel mit rund 150 Einwohnern und ein paar stillen Seen. Statt Elch gibt es Reh und Rehbock. Am Abend landen wir mitten in einem Dorffest: feines Essen, eine Bluegrass-Band, und alle singen mit.
Rote Holzhäuser, wie man sie sich in Schweden vorstellt.
Tag 4 · Bokö-Storö
Heckanker raus, Bug an den Fels
Ein Segeltag mit schöner Krängung und anderen Yachten in Sichtweite, fast ein bisschen Regattagefühl. Unser Übernachtungsplatz liegt im Naturschutzgebiet: Heckanker ausbringen, Felsnägel in die Ritzen schlagen, Leinen an Land. Am Abend wird direkt auf dem Fels vor dem Schiff grilliert.
Unter Segeln Richtung Naturschutzgebiet, danach festgemacht am Granit.
Skipper-Tipp: Zum Festmachen am Fels langsam auf die Felskante zuhalten und den Heckanker rechtzeitig fallen lassen. Vorne mit Felsnägeln oder um einen Baum belegen. Vorher mit dem Lot prüfen, ob unter Wasser Absätze lauern, und im Hafenführer nachschauen: Viele geeignete Buchten sind dort beschrieben.
Tag 5 · Sandhamn
Motorfahrt und ein Abend im Städtchen
Regen am Morgen und kein Wind: Wir lassen uns Zeit und motoren am Nachmittag ruhig an Seevögeln und Inselchen vorbei. Wir legen auf der ruhigeren Nachbarinsel Lökholmen an und nehmen die kleine Fähre hinüber nach Sandhamn: verwinkelte Gassen, rote Holzhäuser und in jedem Garten ein Fahnenmast mit Schwedenflagge.
Sandhamn: Gassen, Gärten und überall die Flagge.
Tag 6 und 7 · Fjärdlång und Storön
Bucht voller Leben, Wellen vor der Insel
In der Bucht von Fjärdlång liegen Segelboote in jeder Ecke: Die einen trinken etwas zusammen, die anderen springen johlend ins Wasser. Am nächsten Tag kreuzen wir windbedingt wieder nach Norden. Die Welle vor Storön fordert ein paar Mägen, das Plätzchen dahinter ist dafür umso ruhiger. Gebadet wird trotzdem, auch wenn das Wasser frisch ist.
Tag 8 und 9 · Lökaholmarna
Ein Hecht von 69 Zentimetern
Einen guten Platz zu finden, ist heute nicht einfach: zu viele Boote am ersten Ort, zu viel Wind am zweiten. Am dritten passt alles. Der Bug schmiegt sich an eine Felswand, und vorne kann die ganze Crew aussteigen, auch Eira. Es gefällt uns so gut, dass wir einen Tag länger bleiben.
Den Tag nutzen Yanik und ich für eine Mission: Dingi aufblasen, hinüber in die Nachbarbucht und angeln. Nach anderthalb Stunden kommen wir mit einem 69-cm-Hecht zurück, dem ersten Fang an Bord der Ciao Ciao. Filetiert wird nach Video-Anleitung, am Abend gibt es Fisch vom Grill. Und weil es so gut lief, kommt am Nachmittag noch ein Egli dazu.
Liegeplatz in der Bucht und der Fang des Tages.
Tag 10 und 11 · Finnhamn und Storskäret
Landstrom, Dusche und dann der beste Segeltag
Nach vielen Nächten in Buchten braucht die Batterie Landstrom und die Crew eine Dusche. Im kleinen Gästehafen von Finnhamn liegen wir eng wie Sardinen. Am nächsten Morgen ein Spaziergang über die grüne Insel, dann der vielleicht schönste Segeltag: mit Sonne und gutem Wind ein rechtes Stück hinaus, vorbei an kleinen Inseln. Es fühlt sich fast an wie im Mittelmeer.
Gästehafen Finnhamn und raumschots Richtung Storskäret.
Tag 12 · Stora Kunnören
Krängung bis in die Pfanne
Langsam heisst es Kurs zurück Richtung Stockholm. Der Wind meint es gut, manchmal fast zu gut: Mit ungemütlich viel Lage wird auch das Mittagessen zur Übung, man sieht es am Herd. Der Platz am Abend ist dafür einer der gemütlichsten der ganzen Reise.
Lage schieben: am Steuer und an der Bordwand.
Tag 13 · Gällnö
Früh los für den besten Platz
Gällnö ist beliebt, also gibt es eine Stunde früher Frühstück. Vor Mittag liegen wir am Fels, mit Heckanker und Leinen an Land. Ins Dörfchen geht es mit dem Dingi, am Abend alle zusammen ins Restaurant. Zurück an Bord merken wir: Ein Motorboot hat beim Ankern unseren Heckanker gelöst. Also nochmals neu festmachen, passiert ist zum Glück nichts.
Gällnö: Bootshäuser und rote Häuser am Wasser.
«Am liebsten würden wir alle noch eine Woche anhängen.»
Ilona, kurz vor der Rückkehr nach Stockholm
Abendsonne über Gällnö.
Tag 14 · Stockholm
Zurück in die Stadt
Am letzten Tag motoren wir zurück, tanken kurz vor dem Ziel Diesel und träumen unterwegs vom einen oder anderen Häuschen am Ufer. Am nächsten Morgen wird das Schiff geputzt, und zum Frühstück gehen wir in dieselbe Bäckerei wie am ersten Tag. Danach übergeben wir die Ciao Ciao wieder an Adi.
Zwei Wochen Schären, ein Hund an Bord und kaum eine Nacht im Hafen: So unkompliziert und vielfältig kann Segeln im Norden sein. Merci an die ganze Crew, es war super schön.
Die Route
Etappe für Etappe
- Stockholm: Übernahme und Proviant
- Siaröfortet: Festungsinsel
- Blidö: Regen, Wind und ein gutes Restaurant
- Ingmarsö: Dorffest mit Bluegrass
- Bokö-Storö: am Fels im Naturschutzgebiet
- Lökholmen und Sandhamn: mit der Fähre ins Städtchen
- Fjärdlång und Storön: Buchten und Welle
- Lökaholmarna: zwei Nächte, Hecht und Egli
- Finnhamn: Gästehafen mit Landstrom
- Storskäret und Stora Kunnören: am Fels
- Gällnö: mit dem Dingi ins Dorf
- Stockholm: Übergabe der Ciao Ciao
Beim nächsten Törn dabei sein?
Ob Ostsee, Mittelmeer oder Bodensee: Die nächsten Törns und Kurse findest du im Programm. Oder schreib uns direkt.